Archiv der Kategorie: IMHO

IMHO: Was uns der Heartbleed-Bug lehrt

Eine Sicherheitslücke in der Open-Source-Bibliothek OpenSSL sorgt in den letzten Tagen für viele Schlagzeilen: Durch einen simplen Programmierfehler ist es möglich, bei betroffenen Web- und E-Mail-Servern interne Speicherinhalte auszulesen. Die Lücke blieb bei den Projektverantwortlichen rund zwei Jahre unentdeckt und wurde anscheinend auch aktiv ausgenutzt (siehe hier oder hier).

Eine gute technische Zusammenfassung der Ursachen gibt es bei Sean Cassidy. (Spoiler: der Fix ist extrem simpel.)

Aber was kann man als Software-Entwickler aus dem »SSL-Gau« lernen? Aus meiner Sicht demonstriert Heartbleed ein paar wichtige Punkte auf drastische Art und Weise:

Eingabedaten sind immer zu validieren
Eigentlich eine Binsenweisheit, offensichtlich aber beherzigen das nicht einmal angehende Informatiker zum Ende ihres Studiums: jede Benutzereingabe hat validiert zu werden. Immer. Ausnahmslos. Im Falle des Heartbleed-Bugs bedeutet das konkret, zu überprüfen, ob die Länge der gesendeten Daten tatsächlich übereinstimmt mit der ebenso gesendeten Längenangabe. Easy, oder?

Als Anwender sollte man für jeden Dienst ein eigenes Kennwort verwenden
Auch dieser Hinweis ist eigentlich simpel und liegt auf der Hand. Wenn schon die Zugangskennung für einen Dienst entwendet wird, ist es enorm hilfreich, wenn mit derselben Kennung nicht auch gleich etliche andere Dienste zugänglich sind. Wer Schwierigkeiten hat, sich Passwörter zu merken, oder wer besonders sichere Passwörter haben möchte, der sollte einen Password Safe einsetzen. Es gibt mittlerweile einige sehr schöne Anwendungen für Smartphones, so dass man seine Kennwörter auch immer dabei haben kann.

C ist unsicher
Zugegeben: diese Aussage ist etwas plakativ und zugespitzt. Und vielleicht ist diese Aussage auch die schmerzvollste Lehre aus dem Heartbleed-Bug. Sicherlich ist C nicht zu unrecht eine der wichtigsten Programmiersprachen überhaupt, wenn nicht sogar die wichtigste Programmiersprache. Natürlich ist es möglich, bombensichere und fehlerfreie Software in C zu entwickeln. Andere Programmiersprachen haben auch ihre Schwächen, und ja: in jeder Programmiersprache kann man Müll zusammenschreiben. Leider ist es aber auch definitiv so, dass C es einem Entwickler extrem leicht macht, sich ins eigene Knie zu schießen, indem (wie hier) versehentlich auf Speicherbereiche zugegriffen werden kann, auf die man nicht zugreifen will und soll. Die flexible Struktur von C erschwert außerdem Werkzeugen zur Code-Analyse die Arbeit. Der Umgang mit Strings und Arrays, die Implementierung von eigenen Methoden zur Speicherverwaltung … die Schwachstellen von C sind zahlreich und grundlegend und bedürfen sehr viel Erfahrung, um souverän damit umzugehen.
Da drängt sich ganz selbstverständlich die Frage auf, ob es nicht an der Zeit ist, für die Entwicklung gerade von sicherheitskritischen Werkzeugen höhere Sprachen bzw. Systeme einzusetzen. Welche Alternativen da in Frage kommen, lasse ich einmal offen.

Open Source bedeutet nicht automatisch Sicherheit
Als ein Argument für Open-Source-Software (OSS) wird immer wieder die ageblich überlegene Sicherheit genannt, die sich aus der Tatsache ergebe, dass jedermann die Software einsehen und notfalls korrigieren könne. Das ist natürlich Blödsinn. In der Praxis funktioniert das eher selten, und deshalb ist OSS auch nicht prinzipiell besser oder sicherer als proprietäre Alternativen. Die sind allerdings ebenso wenig pauschal besser. Anders ausgedrückt: das Modell »Open Source« sagt rein gar nichts über die Qualität der Software aus.

Große Verbreitung bedeutet auch eine große Verantwortung
Gerade einmal elf Entwickler kümmern sich regelmäßig um die OpenSSL-Bibliothek, genutzt wird sie praktisch von der ganzen Welt. Und ein solches Software-Projekt lässt es zu, dass ein junger Informatik-Student anscheinend ohne großartigen Review-Prozess kritische Code-Teile einreicht. Muss das sein? Die großen Nutznießer der OpenSSL-Bibliothek setzen sie in ihrer kritischen Infrastruktur ein, ohne sich selbst an der Entwicklung zu beteiligen oder wenigsten aus Eigeninteresse ein Qualitätsmanagement zu betreiben.

Sollte hier nicht ein Umdenken erfolgen? Ein OSS-Projekt mit der riesigen Bedeutung und Verbreitung wie OpenSSL sollte nicht nur Selbstbedienungsladen sein, sondern auch von den Unternehmen unterstützt werden, die am meisten davon profitieren.

Zu diesem Thema gibt es auch an andere Stelle viele Meinungen und Denkansätze:

IMHO: Windows 8 aus der Sicht eines Mac-Nutzers

Lukas Mathis, Software-Entwickler, UI-Designer und langjähriger Mac-Nutzer, hat einen interessanten Blog-Artikel über Windows 8 als Tablet-Betriebssystem bzw. das Surface Pro geschrieben. Zusammenfassen kann man seine Meinung mit: Das neue Modern UI ist insgesamt schon sehr gelungen, der klassische Desktop dagegen ist eher schlecht und bietet teilweise ziemlich groteske Relikte aus sehr, sehr alten Zeiten. Vor allem die Integration beider Welten vollkommen misslungen.

Das deckt sich in etwa mit der Einschätzung, die ich ich hier vor einiger Zeit abgegeben habe. Für mich bleibt – wenn man Windows 8 als Tablet-System nutzen möchte – noch immer als größter Kritikpunkt die mangelnde Software-Auswahl: Es ist erstaunlich, sich ausgerechnet bei einem Windows-System über das Fehlen von Software-Optionen beklagen zu müssen. Aber tatsächlich: Wer erst einmal ein Windows-Tablet ernsthaft zu benutzen versucht, wird schnell feststellen, dass selbst Android (von dem immer wieder behauptet wird, es gebe kaum brauchbare tablet-optimierte Anwendungen) vergleichsweise gut dasteht. Denn: zwar lassen sich klassische Desktop-Anwendungen installieren (so, dass eigentlich für ausreichend Programme gesorgt ist) und eines der Hauptargumente pro Windows 8 auf dem Tablet dürfte die Verfügbarkeit von MS Office sein; die Anpassungen an Touch-Screens ist aber dermaßen dürftig, dass kein Mensch damit länger als zwei Minuten arbeiten möchte. Modern-UI-Apps aber sind nach wie vor Mangelware. Einige Klassiker wie Kindle, iLiga, Twitter oder Facebook sind zwar vertreten, die Unterstützung für die unterschiedlichen Google-Dienste beispielsweise ist dagegen kaum vorhanden, lediglich E-Mail und Kontakte funktionieren so einigermaßen, letztere dann ohne Kontakt-Bilder. Google+, Keep, Youtube oder Picasa? Fehlanzeige. Die Schuld dafür ist zwar nicht (nur) bei Microsoft zu suchen, aber das ist für den Anwender unbedeutend.

Und so bleibt am Ende ein System, das viele gute Ideen umsetzt, für mich am Ende aber dennoch fast wertlos ist. Es bleibt durchaus spannend, ob sich das Software-Angebot in naher Zukunft verbessert – oder ob vielleicht das Modern UI langfristig wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Mono: wohin geht die Reise?

Mono, die Open-Source-Implementierung von Microsofts .net-Plattform, war ein tolles Versprechen an Linux-Entwickler: Eine mächtige Software-Plattform, eine breite Unterstützung unterschiedlicher Programmiersprachen und nicht zuletzt die Möglichkeit, Anwendungen plattformunabhängig zu entwickeln.

Lediglich drohende Patentforderungen von Seiten Microsofts schienen der Verwendung im Wege zu stehen, Microsoft aber frühzeitig ein „Community Promise“ abgegeben, von solchen Forderungen abzusehen. Neben der Mono-Plattform hat das Team um Miguel de Icaza mit MonoDevelop noch eine großartige Entwicklungsumgebung angeboten.

Und auch wenn nicht alle Vorbehalte verschwunden sind, so wurde Mono doch in alle großen Distributionen integriert, und es entstanden einige interessante Software-Projekte auf Mono-Basis.

Mittlerweile scheinen keine Software-Patente, sondern eine andere Entwicklung für Linux-Entwickler bedrohlicher zu sein: Miguel de Icaza als der Kopf hinter dem ganzen Projekt und sein Unternehmen Xamarin, das sich um die Weiterentwicklung kümmert, haben sich von Linux – und scheinbar vom OpenSource-Gedanken – verabschiedet.

Miguel de Icaza selbst verwendet Linux schon seit Monaten überhaupt nicht mehr; Xamarin setzt stattdessen voll auf Apple-Systeme, insbesondere auf den boomenden Mobile-Markt. Und so wird die aus MonoDevelop hervorgegangene Entwicklungsumgebung Xamarin Studio (noch?) nicht für Linux angeboten, vom Vorgänger gibt es für die Linux-Distributionen teilweise nur noch vollkommen veraltete Versionen. Eine brauchbare »Community-Lizenz« für OpenSource- oder Freeware-Projekte gibt es auch nicht, mittlerweile aber wenigstens eine kostenlose und dafür stark eingeschränkte Version.

Und so ist durchaus fraglich, ob wenigstens die Mono-Laufzeitumgebung (die ja unter einer freien Lizenz steht) noch eine Zukunft unter Linux hat, und welchen Wert diese noch besitzt, wenn keine aktiv weiterentwickelte IDE existiert. Man kann Xamarin nicht vorwerfen, dass sie den gewählten Weg gehen. Für die OpenSource-Szene ist es leider kein guter Weg. Angesichts der ungewissen Zukunft würde ich für ein neues Projekt jedenfalls nicht auf Mono setzen.

Magazine lesen auf Android-Geräten: eine Enttäuschung

Was haben die deutsche Wired, der Stern, CHIP und der Elektrospieler gemeinsam? Sie alle kann man in einer Digital-Ausgabe auf seinem Android-Gerät lesen. Und: ihre Apps basieren alle auf der gleichen, miesen Software.

Die Software um ein E-Magazin herum ist eigentlich vergleichsweise überschaubar: Mit ihr lassen sich die verfügbaren Ausgaben durchblättern und kaufen. Gekaufte Ausgaben werden heruntergeladen und können anschließend gelesen werden. Dabei können die grundsätzlich starren Seiten mit einzelnen multimedialen / interaktiven Elementen angereichert werden.

Klingt eigentlich nicht außergewöhnlich anspruchsvoll.

Und dennoch macht der Software-Hersteller so einiges falsch. Das beginnt damit, dass die Apps sicht optisch nicht an StyleGuides von Google / Android halten, sondern überall Elemente im iOS-Stil verwenden. Dazu sind die Apps furchtbar träge (auch auf Geräten mit reichlich »Power«) und relativ instabil. Teilweise, je nach Magazin, wird auch nicht der komplette Bildschirm genutzt. Der Back-Button verhält sich unlogisch oder zeigt gar keine Reaktion.

Unpassende Interface-Elemente. Der Banner funktioniert nur im Querformat.
Unpassende Interface-Elemente. Der Banner funktioniert nur im Querformat.

Anders als iOS ist Android von Grund auf darauf ausgelegt, auf Geräten mit verschiedensten Bildschirmgrößen und -Auflösungen zu laufen und bietet den Entwicklern zahlreiche Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Standard-Interface-Elemente skalieren ohnehin automatisch mit, d. h. auf Buttons etwa werden Schriftgröße und Innenabstand entsprechend der Auflösung angepasst. Grafiken (etwa für Symbolleisten) können in verschiedenen Größen für unterschiedliche Auflösungen hinterlegt werden; es lässt sich sogar das komplette Layout auflösungsabhängig austauschen.

Von diesen Mechanismen kann man allerdings schwerlich profitieren, wenn man sie komplett ignoriert. So kommt es, dass das Interface schon auf einem Nexus 7 nicht nur übel aussieht, sondern auch schwer zu bedienen ist, auf einem Nexus 10 sind die Apps laut Reviews anscheinend vollkommen unbrauchbar. Wer eine Ahnung davon kriegen möchte, welche Erfahrungen die Anwender mit den Magazin-Apps gemacht haben, der sollte sich einmal die Bewertungen im Play Store durchlesen.

Konsequente Verwendung von unpassenden UI-Elementen
Konsequente Verwendung von unpassenden UI-Elementen

Aus Sicht der Verlage ist das Vorgehen durchaus nachvollziehbar. Kaum ein Verlag wird die notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten besitzen, um In-House eine ansprechende App entwickeln zu können; zudem misst man der Android-Plattform weiterhin keine große Bedeutung zu. An erster Stelle steht das iPad, und dafür wird publiziet. Wenn es nun aber fertige Lösungen gibt, ohne nennenswerten Zusatzaufwand die Inhalte auch unter Android zu verwerten – selbst in einer schlechten Umsetzung – dann ist das durchaus verlockend. Man ist zwar nicht angewiesen auf ein paar zahlende Android-Nutzer, aber wenn man, wie gesagt: ohne großen Zusatzaufwand, ein paar zahlende Kunden »mitnehmen« kann, dann ist das nicht die schlechteste Option.

Allerdings: Dieses Vorgehen frustriert die Anwender und sorgt nicht unbedingt für einen Image-Zugewinn. Von guten Umsätzen ganz zu schweigen. Dass es auch anders geht, zeigt etwa der SPIEGEL, der ganz offensichtlich eine ganze Menge Aufwand betrieben hat, am Ende aber auch geradezu eine Vorzeige-App für Android hingelegt hat.

Der SPIEGEL macht praktisch alles richtig
Der SPIEGEL macht praktisch alles richtig

Das traurigste an diesem Thema ist, dass die Magazin-Software insgesamt durchaus noch brauchbar läuft; eine vollständige Überarbeitung des User Interfaces würde die Apps qualitativ gleich in einem ganz anderen Licht dastehen lassen – und würde vermutlich nur wenige Tage Aufwand beanspruchen. Freilich: Um ein gutes UI zu gestalten, müssten sich die Entwickler (und Entscheider) ernsthaft auf Android als eigenständige Plattform einlassen, nach Möglichkeit unterschiedliche Testgeräte bereithalten und vor allem: Android-Geräte tatsächlich benutzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Plattform funktioniert.

Medienrevolution

Langsam hat es begonnen. Irgendwann hatten unsere Rechner so gute (und dabei für alle erschwingliche) Soundkarten eingebaut, dass wir am PC mindestens in CD-Qualität Musik hören konnten. Anfangs waren es noch Wave-Dateien, später die ersten MP3s, die man oft genug noch selbst von CD gerippt hat, statt sie aus dem Internet zu laden. Nach und nach kamen dann Internetradio, Napster, schnelle DSL-Anschlüsse, getauschte Videos, iTunes, irgendwann Napster mit Flatrate, WLAN und Streaming-Angebote wie Grooveshark oder Spotify und zuletzt massenweise Smartphones inklusive bezahlbarer Internet-Flatrates.

Die kabellose Smartphone- oder Tablet-Dockingstation, vielleicht noch gemischt mit AppleTV, GoogleTV oder (Samsungs) Smart TV, macht DVD-Player, Mini-Disk-Deck, Radio-Tuner und den Rest der teuren HiFi-Anlage im Wohnzimmerschrank komplett überflüssig. Streaming-Apps wie Last.FM, TuneIn Radio, Spotify, Putpat, Youtube oder The Hype Maschine liefern Inhalte ohne Ende, mit und ohne Bild, für jeden Geschmack etwas.

Da ich in den letzten Tagen etwas Freizeit hatte, habe ich tatsächlich genau das getan: Bis auf den Verstärker habe ich die komplette HiFi-Anlage entsorgt. Inhalte kommen über den internetfähigen Fernseher oder die angeschlossene Dockingstation für das iPhone. Und was will man noch mehr?

iPhone-Dock
iPhone-Dock mit Fernbedienung

Crapware auf dem PC, Crapware auf dem Handy, Crapware überall

Wer sich einen neuen PC kauft, kennt das: Der »frische« Rechner ist vollkommen überfrachtet mit Demoversionen, die zum Kauf auffordern, ärgerlichen Werbeanwendungen und nutzlosen Tools. »Crapware« nennt man das ganz passend. Für die PC-Hersteller lohnt sich das, weil sie für diese Software-Installationen etwas Geld einspielen, für die Anwender dagegen stellen sie üblicherweise nicht mehr als einen ärgerlichen Haufen Müll dar.

Auch Mobilfunkprovider versehen nach einem ähnlichen Muster die von ihnen subventionierten Geräte mit eigenem Branding, eigener Software und oft genug Werbe-Anwendungen von Drittanbietern.

Normalerweise kommt man um die Crapware herum, indem man z. B. die Komponenten für einen neuen PC einzeln bei einem Händler und das Mobiltelefon nicht bei einem Netzbetreiber kauft.

Als ich mir im vergangenen Jahr ein neues Samsung Galaxy Note gekauft habe, war es dann auch so: Neben den üblichen herstellerspezifischen Zusatz-Apps (Media-Sharing-Tool AllShare, Samsungs App-Store usw.) gab es keinen weiteren Schrott. Das hat sich leider geändert: Mit den letzten vier oder fünf System-Updates wurden auch immer ohne Nachfrage unnütze, neue Apps installiert, die sich zum Teil nicht einmal mehr löschen ließen. Unter den Apps Negativ-Highlights wie HSR Hotels, Hugendubel, kaufDA Navigator und Lieferheld.

Wie ich kürzlich feststellen durfte, scheint sich das selbe Spielchen für Besitzer eines Samsung-Fernsehers zu wiederholen: Zumindest als deutscher Nutzer erhält man nicht löschbare Apps wie etwa Bild.de. Andere Apps lassen sich zwar löschen, werden mit dem nächsten Update aber erneut installiert.

Apple scheint der einzige große Hersteller zu sein, der weiß, wie sehr »Crapware« den Wohlfühlfaktor von Consumer-Produkten stört und dem dieser Faktor wichtiger ist als die zusätzlichen Einnahmen, die mit vorinstallierter Software von Drittanbietern möglich sind. Selbst im Mobilfunkbereich setzt Apple das rigoros durch und lässt nicht einmal zu, dass die Netzbetreiber die subventionierten Geräte mit eigener Software(-Anpassungen) versehen. Das ist tatsächlich einer der ganz, ganz großen Vorzüge von Apple-Produkten.

Windows 8 im Kurztest

Bereits seit einigen Monaten ist das mit Spannung erwartete Windows 8 auf dem Markt. Etwas Zeit habe ich mir mit einem Update gelassen; nun aber ist die Zeit gekommen, das neue System auszuprobieren. Die vorab freigegebenen Testversionen hatte ich mir in einer Virtual Box schon kurz angeschaut. Große Überraschungen waren also nicht mehr zu erwarten.

Mit Windows 8 bringt Microsoft das bereits von den (außerhalb der USA nicht angebotenen) Zune- und WindowsPhone-Geräten bekannte Kachel-basierte Interface auf den Desktop-PC – und auf Tablets. Alle Geräteklassen sollen ein einheitliches Bedienkonzept bieten, der Nutzer soll sich überall heimisch fühlen. Für den Standard-PC stimmt das nur bedingt, denn der klassische Windows-Desktop ist auch hier vorhanden, reine Touch-Optimierungen dagegen dürften nur den wenigsten Usern etwas bringen: Touchscreens sind wenig verbreitet und lassen sich bei Schreibtisch-Rechnern nicht optimal bedienen. Das Kachel-Interface »verkommt« hier also eher zu einem aufgepeppten Startmenü, das es in seiner alten Form nicht mehr gibt.

Interessant ist nun, wie sich die neuen Konzepte auf einem Standard-PC machen. Bei mir handelt es sich um ein kleines Notebook ohne Touchscreen, dafür ein hochwertiges (und teures) Touchpad von Logitech, das für Windows 8 optimiert sein soll und passende Gestensteuerung bietet.

Die Systemanforderungen sind moderat: Jeder Rechner, auf dem Windows 7 läuft, sollte ebenso mit Windows 8 zurecht kommen. Die Installation verläuft schnell und ohne Probleme. Einzige Auffälligkeiten: Das Breitbild-Format des Bildschirms wird nicht genutzt, stattdessen ist der Installationsassistent hässlich verzerrt. Das vereinfachte Design, mit dem der Windows 8-Desktop daherkommt, wird bei der Installation auch noch nicht genutzt. Hier kommt noch das vom Vorgänger bekannte, abgerundete und halbtransparente Fenster- und Schaltflächen-Design zum Einsatz. Und – für User mit einem weiteren installieren Betriebssystem wichtig – wie erwartet wird natürlich der vorhandene Bootloader ungefragt überschrieben. Beispielsweise mit der Boot Repair CD lässt sich aber schnell wieder ein vernünftiges Bootmenü einrichten.

Nach der Installation erwartet einen die neue zentrale Kachel-Oberfläche, die neben ein paar News und dem Wetter (standardmäßig London, New York, Mumbai, Paris, Sydney; erst nach Aufruf der App wird der eigene Ort abgerufen und angezeigt) nicht all zu viel bietet. Das Interface (»Modern UI« genannt) ist mit ansprechender Typografie und satten, kontrastreichen Farben optisch gut gelungen und die integrierten Apps funktionieren im ersten Test sehr ordentlich. Das Kachel-Design macht sich etwa beim Live Store, bei der Wetter- oder der Bing-App nicht nur optisch, sondern auch in der Bedienung wirklich gut. Schade ist, dass Kalender und Adressbuch nur mit einem Microsoft Live-Konto verwendet werden können.

Die Kachel-Oberfläche von Windows 8
Die Kachel-Oberfläche von Windows 8

Sobald man etwas mehr machen möchte, wird Windows 8 allerdings inkonsistent: Das Logitech-Touchpad meldet sich in meiner Testumgebung automatisch, weil es zusätzliche Software installieren möchte. Die Installation läuft auf dem Desktop ab. Dieser zeigt im System Tray Symbole mit vollkommen unterschiedlicher Größe und Gestaltungsstil. Während bei Anwendungen im Modern Design anscheinend immer (so wie es sein sollte!) in dem Bereich gescrollt wird, auf den die Maus zeigt, verhalten sich die Desktop-Anwendungen leider noch so schlecht wie man es aus früheren Windows-Versionen kennt: Es wird grundsätzlich nur in dem Bereich gescrollt, der gerade den Focus hat – was beispielsweise im Explorer unglaublich nervt, wenn man wechselweise in die Dateiauflistung oder die Sidebar klicken muss, bevor man dort scrollen kann. Immerhin: der Internet Explorer und alle Modern UI-Apps verwenden jetzt endlich »kinetisches Scrolling«. Welch eine Wohltat! Aber warum gibt es den Internet Explorer jetzt mit zwei vollkommen unterschiedlichen Benutzeroberflächen?

Ungewohnt ist es auch, dass man beim Öffnen einer Musikdatei aus dem Desktop heraus unvermittelt in der im Fullscreen-Modus laufenden Music-App landet und sich erst einmal halbwegs umständlich zum Desktop zurück navigieren muss. Zwar lässt sich die App neben dem Desktop »andocken«, jedoch funktioniert dann die Steuerung (zumindest bei mir) nicht korrekt: aus der Songliste heraus lässt sich nichts(!) steuern und aus der Songliste wieder heraus gelangt man nur, wenn die Music-App im Fullscreen oder 2/3-Modus angezeigt wird.

Der Desktop von Windows mit angedockter TuneIn-App
Der Desktop von Windows mit angedockter TuneIn-App

Ärgerlich: Nach dem Aufwecken aus dem Ruhezustand oder dem Hochfahren besitzen die persönlichen Mauseinstellungen im Sperr-Bildschirm keine Gültigkeit. Bedeutet bei meinem Setup: Entsperren geht nur mit (mechanischem) Klick statt einem Tippen.

Das Tippen funktioniert auch an anderen, wichtigeren Stellen nicht oder nur teilweise: Den Microsoft-Spielen Mahjong und Solitaire Collection. Da das im Notebook eingebaute Touchpad jedoch anstandslos funktioniert, muss man den Fehler vermutlich Logitech ankreiden und nicht Microsoft.

Was man tatsächlich noch schmerzlich vermisst ist auf Desktop-Ebene eine Funktion wie Exposé von MacOS oder das Dashboard aus Gnome. Die Geste zum Durchwechseln der Anwendungen behandelt leider den Desktop inklusive aller darin laufenden Programme als eine einzige Anwendung. Aero Peek lässt sich zwar einschalten, zeigt aber nur leere Fensterhüllen, was wenig hilfreich ist.

Nebenbei gibt es eine weitere kleine Änderung: Der Nutzer muss nicht mehr auf »Start« klicken, um Windows zu beenden, sondern in der Charms Bar auf »Einstellungen«.

Fazit

Windows 8 ist zunächst einmal die erste Windows-Version seit Windows 98, die gut aussieht. Selbst die (erst nachträglich zu installierenden) Microsoft-Spiele sind keine lieblos portierten Anwendungen aus den 90er-Jahren mehr, sondern aufgefrischte, moderne Varianten. Der Startbildschirm macht Spaß und lädt zum Spielen ein, der Store bietet schnellen Zugang zu weiteren, auch kostenlosen Anwendungen und Spielen. Das Ganze ist nicht unwichtig, denn die Optik spielt für den Wohlfühl-Faktor am Rechner eine große Rolle. Allerdings: das gute Aussehen trifft nur auf das Modern UI zu, nicht auf den Desktop, der mit der seiner neuen, flachen und an vielen Stellen kontrastarmen Optik eher gemischte Gefühle hinterlässt.

Im Büro-Alltag, in dem althergebrachte Standard-Anwendungen gefragt sind, mag das Modern UI eher hinderlich sein oder zumindest nicht sehr nützlich. Auch der oft anzutreffende Live-Konto-Zwang dürfte im Unternehmenseinsatz stören.

Am meisten Spaß macht das neue Modern UI wahrscheinlich auf Tablets, wo es tatsächlich eine ernsthafte Konkurrenz zu dem nüchternen und mittlerweile schon fast etwas angestaubt wirkenden iOS von Apple werden könnte.

Das Floppy-Icon heißt »Speichern«

Seit mindestens 25 Jahren ist es in der IT omnipräsent: Das Disketten-Symbol, mit dem der Speichervorgang versinnbildlicht wird. Eigentlich macht dieses Symbol längst keinen Sinn mehr, kennen heutzutage doch nur noch die älteren Computernutzer überhaupt noch die Floppy-Disketten aus dem echten Leben. Grund genug für Scott Hanseman, in seinem Blog dieses und 14 andere Beispiele für überholte oder unpassende Symbole zusammen zu stellen.

Mit den Beispielen hat er größtenteils durchaus recht. Widersprechen muss ich ihm allerdings beim Lesezeichen-Symbol. Gedruckte Bücher sind allgegenwärtig und werden dieses auch noch für eine lange Zeit bleiben. Das Lesezeichen bleibt dabei unverzichtbar und bildet – meiner Meinung nach – eine perfekte Metapher für den Webbrowser: Lesezeichen sind hier und dort eine Markierung für eine (Text-)Stelle, die wir uns für späteres Nachschlagen oder späteres Weiterlesen merken wollen. Die einzige Alternative, die wir bisher geboten bekommen haben, ist das Bild des »Favoriten«. Das Setzen von Lesezeichen hat allerdings nicht immer etwas damit zu tun, auch etwas zu »favorisieren«.

Das Lesezeichen - eine unpassende Symbolik?