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iX Developer Special »Spiele entwickeln«

Seit dieser Woche liegt ein neues Sonderheft aus der Reihe »iX Developer« an den Kiosken aus. Dieses dreht sich alles rund um die Spieleentwicklung. Neben Artikeln zu Studienangeboten und Berufseinstieg gibt werden Frameworks, Game-Engines und andere Grundlagen besprochen.

Das Heft kostet 12,90 und kann auch online im Heise Shop bestellt werden. Zu einem etwas günstigeren Preis gibt es auch eine digitale Ausgabe im PDF-Format.

iX Developer: Spiele entwickeln
iX Developer: Spiele entwickeln

Magazine lesen auf Android-Geräten: eine Enttäuschung

Was haben die deutsche Wired, der Stern, CHIP und der Elektrospieler gemeinsam? Sie alle kann man in einer Digital-Ausgabe auf seinem Android-Gerät lesen. Und: ihre Apps basieren alle auf der gleichen, miesen Software.

Die Software um ein E-Magazin herum ist eigentlich vergleichsweise überschaubar: Mit ihr lassen sich die verfügbaren Ausgaben durchblättern und kaufen. Gekaufte Ausgaben werden heruntergeladen und können anschließend gelesen werden. Dabei können die grundsätzlich starren Seiten mit einzelnen multimedialen / interaktiven Elementen angereichert werden.

Klingt eigentlich nicht außergewöhnlich anspruchsvoll.

Und dennoch macht der Software-Hersteller so einiges falsch. Das beginnt damit, dass die Apps sicht optisch nicht an StyleGuides von Google / Android halten, sondern überall Elemente im iOS-Stil verwenden. Dazu sind die Apps furchtbar träge (auch auf Geräten mit reichlich »Power«) und relativ instabil. Teilweise, je nach Magazin, wird auch nicht der komplette Bildschirm genutzt. Der Back-Button verhält sich unlogisch oder zeigt gar keine Reaktion.

Unpassende Interface-Elemente. Der Banner funktioniert nur im Querformat.
Unpassende Interface-Elemente. Der Banner funktioniert nur im Querformat.

Anders als iOS ist Android von Grund auf darauf ausgelegt, auf Geräten mit verschiedensten Bildschirmgrößen und -Auflösungen zu laufen und bietet den Entwicklern zahlreiche Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Standard-Interface-Elemente skalieren ohnehin automatisch mit, d. h. auf Buttons etwa werden Schriftgröße und Innenabstand entsprechend der Auflösung angepasst. Grafiken (etwa für Symbolleisten) können in verschiedenen Größen für unterschiedliche Auflösungen hinterlegt werden; es lässt sich sogar das komplette Layout auflösungsabhängig austauschen.

Von diesen Mechanismen kann man allerdings schwerlich profitieren, wenn man sie komplett ignoriert. So kommt es, dass das Interface schon auf einem Nexus 7 nicht nur übel aussieht, sondern auch schwer zu bedienen ist, auf einem Nexus 10 sind die Apps laut Reviews anscheinend vollkommen unbrauchbar. Wer eine Ahnung davon kriegen möchte, welche Erfahrungen die Anwender mit den Magazin-Apps gemacht haben, der sollte sich einmal die Bewertungen im Play Store durchlesen.

Konsequente Verwendung von unpassenden UI-Elementen
Konsequente Verwendung von unpassenden UI-Elementen

Aus Sicht der Verlage ist das Vorgehen durchaus nachvollziehbar. Kaum ein Verlag wird die notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten besitzen, um In-House eine ansprechende App entwickeln zu können; zudem misst man der Android-Plattform weiterhin keine große Bedeutung zu. An erster Stelle steht das iPad, und dafür wird publiziet. Wenn es nun aber fertige Lösungen gibt, ohne nennenswerten Zusatzaufwand die Inhalte auch unter Android zu verwerten – selbst in einer schlechten Umsetzung – dann ist das durchaus verlockend. Man ist zwar nicht angewiesen auf ein paar zahlende Android-Nutzer, aber wenn man, wie gesagt: ohne großen Zusatzaufwand, ein paar zahlende Kunden »mitnehmen« kann, dann ist das nicht die schlechteste Option.

Allerdings: Dieses Vorgehen frustriert die Anwender und sorgt nicht unbedingt für einen Image-Zugewinn. Von guten Umsätzen ganz zu schweigen. Dass es auch anders geht, zeigt etwa der SPIEGEL, der ganz offensichtlich eine ganze Menge Aufwand betrieben hat, am Ende aber auch geradezu eine Vorzeige-App für Android hingelegt hat.

Der SPIEGEL macht praktisch alles richtig
Der SPIEGEL macht praktisch alles richtig

Das traurigste an diesem Thema ist, dass die Magazin-Software insgesamt durchaus noch brauchbar läuft; eine vollständige Überarbeitung des User Interfaces würde die Apps qualitativ gleich in einem ganz anderen Licht dastehen lassen – und würde vermutlich nur wenige Tage Aufwand beanspruchen. Freilich: Um ein gutes UI zu gestalten, müssten sich die Entwickler (und Entscheider) ernsthaft auf Android als eigenständige Plattform einlassen, nach Möglichkeit unterschiedliche Testgeräte bereithalten und vor allem: Android-Geräte tatsächlich benutzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Plattform funktioniert.